Inspiration Beruf Gebärdensprachdolmetscher:in
Über den Beruf
Gabriela Hauswirth ist seit gut 20 Jahren bei der Stiftung procom als Gebärdensprachdolmetscherin sowie seit sieben Jahren als Verantwortliche für die Weiterbildung der Dolmetscher:innen tätig. Daneben betätigt sie sich als Erwachsenenbildnerin, Supervisorin und Coach. Sie liebt ihre vielfältige Arbeit und das Bewirken von mehr Verständnis und Bewusstsein für sich und andere.
Entstehung des Interesses
Schon als Kind hatte Gabriela Hauswirth Kontakt mit einem gehörlosen Mädchen in ihrem Tennisteam. Wegen ihr lernte sie bereits mit zwölf Jahren beim Schweizerischen Gehörlosenbund die Gebärdensprache. Sie merkte bald, dass gehörlose Menschen unter sich nicht kommunikationsbehindert sind. Sobald aber hörende und gehörlose Menschen aufeinandertreffen, sind es beide. Hier die Verständigung zu ermöglichen, schien ihr schon damals sinnvoll.
Einsatzbereiche
Gehörlose wie auch hörende Menschen sind immer dann auf Gebärdensprachdolmetscher:innen angewiesen, wenn sie sich sicher und einfach verständigen sowie verstehen wollen. Dies ist heute auch dank des Telefondienstes der procom via Bildtelefon unkompliziert und schnell möglich. Lippenlesen ist sehr schwierig, da nur rund 30 Prozent der Buchstaben und Worte auf den Lippen sichtbar werden.
Ausbildung
Die Ausbildung in der Deutschschweiz wird an der Hochschule für Heilpädagogik als Bachelor-Studiengang angeboten. Momentan ist es ein vierjähriges Teilzeitstudium. Das Studium vermittelt Kenntnisse in angewandten Sprach- und Translationswissenschaften sowie in Soziologie und Interkulturalität.
Geeignete Persönlichkeiten
Der Beruf eignet sich für alle kommunikationsfreudigen Menschen, die sich mit ihren Fähigkeiten in den Dienst anderer stellen möchten, damit diese ihre Ziele erreichen und Bedürfnisse abdecken können. Gebärdensprachdolmetscher:innen sind Hirn- und Herzarbeitende, welche dazu ihren ganzen Körper einsetzen.
Geeignet sind Menschen, die:
- sich auf all diesen Ebenen ausdrücken möchten
- schnell und gut Sprachen lernen
- verschiedene Kulturen verstehen
- Empathie haben und sich abgrenzen können
- über eine gute Selbsteinschätzung und differenzierte Selbstreflexion verfügen
Zur Gebärdensprache
Es macht viel Spass, diese ausdrucksvolle Sprache zu lernen. Sie erweitert den eigenen Horizont und fordert uns, visuell in Bildern zu denken. Ansonsten ist sie so schwierig oder einfach, wie es jede andere Sprache auch ist.
Berufsethik
Der Ehrenkodex der Gebärdensprachdolmetscher:innen umfasst Punkte wie Verschwiegenheit, Unparteilichkeit, Übersetzungsgenauigkeit, Pünktlichkeit, Bescheidenheit und Unauffälligkeit. Jedoch ist das Leben nie schwarz-weiss und die Auslegung des Ehrenkodexes nach professioneller Einschätzung eines Settings lässt erst die Fachkompetenz erkennen. "Wir sind nicht Maschinen, sondern einfühlsame Wesen mit einem Kommunikationsauftrag: dem Ziel der beiden Parteien zu dienen."
Arbeitsalltag
Ein:e Dolmetscher:in erhält sowohl Aufträge, die schon länger bekannt und damit planbar sind, wie an Arbeitssitzungen, Weiterbildungen als auch Terminen bei Behörden oder Schulen. Jedoch gibt es auch viele kurzfristige Einsätze etwa im Spital, bei der Polizei oder bei Pressekonferenzen des Bundesrates wegen Corona. Somit weiss man am Morgen teils nicht, was der Tag noch alles bringen wird.
Herausforderungen
Eine grosse Herausforderung ist es, beim Betreten eines Dolmetschsettings in kürzester Zeit zu verstehen, um was es dort wirklich geht. Danach gilt es, den Platz zu finden, das passende Sprachregister anzuwenden, das Vertrauen der Beteiligten zu gewinnen und ihrem Ziel zu dienen. Das sieht im Kreissaal bei einer Geburt anders aus als bei einem Live-Konzert auf der Bühne oder bei einem Vorstellungsgespräch.
Besondere Aspekte des Berufs
Die Sinnhaftigkeit dieser Arbeit steht im Vordergrund. Es gefällt, mit und für Menschen zu arbeiten, Brücken zu bauen und für ein gegenseitiges Verständnis und ein besseres Miteinander zu sorgen. Das Schönste am Job ist, die Menschen in all ihren Farben und Facetten zu erleben und zu staunen, wie vielfältig das Leben auf dieser Erde ist.
Über procom
Die Stiftung procom vermittelt Gebärdensprachdolmetscher:innen in allen drei Landessprachen der Schweiz und bietet im Auftrag der Swisscom den Telefondienst VideoCom via Bildtelefon an.